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3 monate in indien
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[Das Praktikum]

Neues Projekt

weil ich gesehen habe, dass viele leser (die ich nicht kannte), über diese seite einen eindruck von einem auslandspraktikum bekommen haben und es ihnen bei der planung weitergeholfen hat, sammel ich zur zeit weitere weblogs und verlinke sie auf dem von mir bereitgestellten portalen

www.meinpraktikum.de und
www.mytraineeship.net


würde mich freuen, wenn diese seiten dir weiterhelfen und es würde mich ebenfalls sehrn freuen, wenn du bekannte links zu interessanten weblogs dort angibst, dafür jetzt schon mal vielen dank.
29.11.05 08:41


wie jeden samstag hatten wir auch heute unseren “sharing day”, d.h. dass wir kulturellen austausch, gesellschaftlichen austausch, politischen austausch eigentlich austausch in jeder hinsicht betreiben… diesmal habe ich eine mustafa kemal atatuerk praesentation vorbereitet und sie vorgetragen. bhawani hat sich sehr fuer ihn interessiert, hauptgrund war wohl, dass gandhi in seiner autobiographie einiges von atatuerk erzaehlt haben und sehr begeistert gewesen sein soll… fuer alle die es nicht wissen (wink mit den zaunpfahl an hauke, jan und heiko) ist atatuerk der gruender und erster staatspraesident der republik tuerkei… was fakten angeht war ich bei bhawani’s fragen gut vorbereitet, doch er hatte ganz interessante fragen, die eher psychologisch waren und auf die ich keine antwort wusste… es war irgendwie peinlich, aber auch sehr beeindruckend, wie er auf diese fragen kam… da kann man sich sicher eine scheibe von abschneiden…
im gegenzug wollte er mit mir eigentlich hindi lesen ueben, doch leider blieb dafuer keine zeit mehr…
darum schnappte ich mir nun gandhi’s autobiographie und fing an, es zu lesen…

"I believe you can’t appreciate real love ‘til you’ve been burned"
28.8.04 19:01


fuer heute war kein ausflug geplant und da es im buero nicht viel zu tun gab, erinnerte ich mich, daran wie mein boss bhawani mal gesagt hatte, dass er gerne eine webseite haette. ich griff die idee auf, schnappte mir das aktuellste annual report, schlug ein simples design vor, fuetterte alles schon mal etwas mit inhalt, sogar bei der farblichen auswahl hatte ich schon konkrete vorstellungen und praesentierte nach wenigen stunden einen entwurf dem boss. der trommelte gleich alle mitarbeiter zusammen, um sich deren meinung einzuholen. sie waren sehr zufrieden, hatte noch ein paar vorschlaege und dann schlug bhawani nochmal andere farben vor… abartige… in seinem beisein haben die mitarbeiter dieses typische wackeln mit dem kopf gemacht, was etwas sehr zustimmendes bedeutet. also aenderte ich nochmal alles und irgendwie war ich nicht zufrieden. spaet am abend kam kusum und ich zeigte ihr auch noch mal das design und sie war farblich der gleichen meinung wie ich. ganz demokratisch fragte sie nochmal jeden einzeln und auf einmal waren wir in der ueberzahl… bhawani grinste nur und sagte: “that’s democracy”…

"I believe I’m loved when I’m completely by myself alone"
27.8.04 15:52


das ziel des heutigen ausflugs war mal wieder eine SHG, wobei der weg dorthin bisher der schlimmste und krasseste war, aber vielleicht auch nur wegen der starken regenfaelle in den letzten tagen. ging es doch diesmal bei dem besuch nicht in erster linie und um die gruppe selbst, sondern eher darum, dass sie sich auf das “sticken” konzentriert hat, dabei haben sie sich mit dem SHG-kredit einige kharchooks leisten konnte. das sind tische ohne tischplatte sozusagen, in dem saris (typische indische gewaender) gespannt werden.ingesamt 8 personen koennen gleichzeitig an diesem tisch arbeiten. sie sticken perlen, plaettchen, goldfaeden usw. in diese saris. ich habe einige gesehen und sie waren wunderschoen, sahen sehr edel aus. die saris die fuer hochzeiten gemacht werden brauchen bis zu einem monat der fertigstellung uns sind am ende vielleicht sogar 100.000 rupees wert!
wieder waren alle member furchtbar suess und nett und sympathisch, besonders ‘guuti’, eine alte jedoch fortwaehrend laechelnde frau, die mir am ende stolz die hochzeitsfotos ihre tochter gezeigt hat, die uebrigens erst 15 war…
eine wichtige rolle in dieser SHG spielte diesmal aber ein junger mann, besser gesagt ein ehemann eines der mitglieder. dieser war fuer alles organisatorisches verantwortlich, u.a. faehrt er jede woche in die stadt, um auftraege einzuholen (zur hauptstrasse muss er 7 kilometer laufen, dann setzt er sich auf das dach eines oeffentlichen busses, das gleiche nochmal auf dem rueckweg, dabei ist er den ganzen tag unterwegs), besorgt rohmaterialien und die saris und wenn die saris fertig sind, muessen sie auch wieder in die stadt gebracht werden.
als wir mit der gruppendiskussion fertig waren, haben wir auf dem dach (der ehemann, d.k. und ich) noch einen tee getrunken und uns etwas unterhalten. ich fragte ihn, wie gluecklich er gerade mit seinem leben ist, ob und welche wuensche er noch hat, was er von der zukunft erwartet usw., dabei antwortete er mir, dass er sehr zufrieden und gluecklich waere, alles in ordnung ist, er keine wuensche haette, doch, vielleicht einen, dass der (bzw. ein) weg zur hauptstrasse vielleicht mal eingerichtet werden koennte. ich schaute mich um, sah mir sein haus an, das dorf, die umstaende, die gegebenheiten und hatte hoechste achtung und respekt vor diesem menschen. wie viele von uns wuerden jemals so etwas behaupten koennen… wie viele von uns sind ueberhaupt zufrieden, sind wir nicht diejenigen, die es immer besser haben wollen, die nie zufrieden sind? kritisch ueber so etwas nachzudenken ist die eine sache, aber konkret ein gegenbeispiel zu sehen, besonders unter diesem umstaenden im dorf, das ist schon etwas anderes…

"I believe that beauty magazines promote low self esteem"
26.8.04 23:45


langsam aber sicher habe ich mich an viele umstaende gewoehnt, die andere duschtechnik, das essen, viele gepflogenheiten, die indische arbeitsweise und ganz besonders die wetterumschwuenge… ein gutes beispiel war heute…
da uns die motorraeder und der jeep nicht zur verfuegung standen, mussten wir heute mit dem bus in ein relativ weites dorf fahren, dort war eine laendliche bank, die viele konten unserer SHG fuehrt. um mit ihnen uns zu unterhalten machten wir uns noch erst auf den weg nach jaipur city, von dort wollten wir gerade in den richtigen bus umsteigen, da kam eine allgemeine wetterwarnung, “heavy rain” wurde angekuendigt und ich hatte den normalen regen schon als extrem empfunden, was meinten nun diese leute mit heavy rain??? auf jedenfall mussten wir unseren ausflug abbrechen und sind wieder ins buero… kurz darauf sah ich dann, was mit heavy rain gemeint war… das war wirklich einmalig, wusste ich jedoch in diesem moment nicht, gluecklich darueber zu sein, ein dach ueber dem kopf zu haben oder besorgt um die vielen leute in der umgebung, die keins hatten… einen solchen regen habe ich noch nicht gesehen, stundenlang die dicksten tropfen die mir jemals begegnet sind… ich moechte nicht wissen, wieviel ueberflutungen heute die doerfer ueberrascht haben und welchen schaden sie angerichtet haben… mehr als ein mittagsschlaf und etwas bueroarbeit blieb mir nicht vom tag, ausser das aiesec-trainee-treffen am abend…

"I believe that junk food tastes so good because it’s bad for you"
25.8.04 18:31


heute ging es erneut auf land, diesmal war es sehr sehr weit, doch es wurde sehr interessant:
beim ersten ort versammelten sich ca. 40 frauen, die von dieser SHG-idee gehoert hatten und nun mehr davon wissen wollten. sarita und d.k. erzaehlten viel, diesmal war es mein job die frauen zu beobachten, wie sie auf das erzaehlte reagieren wuerden und wie positiv alles aufgenommen wird oder wie kritisch, wie sehr nachgefragt wird und wieviel motivation man erkennen kann. es lief “anscheinend” ganz gut, so wurde es mir zumindest von den beiden spaeter gesagt, habe ich doch kein wort verstanden waehrend der ganzen zeit…
der zweite ort war ein dorf, sehr schwierig zu erreichen, mit “oeffentlichen verkehrsmitteln” schon gar nicht…
und wieder einmal eine tolle, nette, offene, symphatische atmosphaere, habe die zeit dort wieder sehr genossen. diesmal war es ein dorf, dass sehr viele bueffel und ziegen besitzt, es war also alles auf milch und deren verkauf ausgelegt. mit dem kredit wurden also neue bueffel gekauft, futter besorgt, “futterschneidemaschinen” angeschaft und nebenbei aber noch fuer schulbildung, medizin und wichtige hausreparaturen gesorgt. ingesamt also eine sehr vorbildliche SHG und die zufriedenheit konnte man auch wirklich in ihren gesichtern sehen. sie waren so stolz und froh ueber ihre neuen bueffel, so dass sie sofort ein foto mit mir und ihnen machen wollten, wirklich sehr suess (ich meine nicht das foto)…
je mehr hindi man mit ins gespraech bringt, desto lustiger wird es und die frauen werden auch lockerer. hatte ich doch extra vorher gelernt, was bueffel und milch auf hindi bedeutet…

"I believe the sun should never set upon an argument"
24.8.04 16:19


das wochenende war zwar sehr spannend und unterhaltsam und lehrreich und einfach klasse, doch freute ich mich heute auf den besuch der naechsten frauen-selbsthilfegruppen. weil die orte sehr weit und die strassen mal wieder sehr schlecht waren, aber vielleicht auch wegen der “kleinen” unwetterwarnung sind wir mit dem jeep gefahren.
als wir ins dorf reinfuhren, war diesmal eine ganz andere stimmung als sonst, doch hatten wir bisher niemanden gesehen… wir merkten, dass irgendetwas nicht stimmen wuerde… dann sahen wir die ersten bewohner, wieso hatten sie alle keine haare auf dem kopf? und wenige davon dann doch noch ein winziges bueschel? …
die stimmung in diesem dorf war wirklich einfach schlecht und sarita erklaerte mir, dass es wohl einen todesfall in einer wichtigen familie hier gab, was u.a. auch durch die haare zu erklaeren ist… diesmal blieb ich lieber im jeep, d.k. ging zu den maennern, die alle zusammen sassen und sarita ging in ein haus, wo alle frauen sassen. ploetzlich kamen laute jammernde, weinende stimmen aus dem haus, es ging wirklich unter die haut und ich habe mich nicht unbedingt wohl gefuehlt. nach einiger zeit luden mich die maenner doch zu sich ein, gaben mir “sehr’ frische bueffelmilch und den obligatorischen chay (tee). wir unterhielten uns ein wenig und sie erzaehlten, dass der junge mann der gestorben ist erst 26 jahre war und etwas mit dem herzen hatte. sie waren trotz der trauer und den bitteren stunden so gastfreundschlaftlich, es war einfach unglaublich. dennoch dachten wir uns, es waere besser nicht allzulange dort zu bleiben und fuhren auch schon sehr bald wieder nach hause… dort unterhielt ich mich noch etwas mit bhawani (chef) und er erklaerte mir, dass man in indien nach einem todesfall 12 tage trauern wuerde und man in dieser zeit nichts macht, viel besuch bekommt…
gerade hier am pc lasse ich nun mushtaq zum ersten mal auf der tastatur schreiben, mal sehen was dabei raus kommt:

may name is mushtaq ahmed

nicht schlecht oder?
23.8.04 23:18


heute haben wir wieder eine frauen-selbsthilfegruppe besucht, waren aber ingesamt bei drei familien. die gruppe hat sich spezialisiert auf armreifen, die mit semi-wertvollen steinen verziert werden. die ersten beiden familien waren nur fuer die verzierung zustaendig, die bekamen also die fertigen armreifen und drueckten nach “ofentechnischer waermebehandlung” die steine auf die reifen. teilweise einfache verzierungen, teilweise aber auch sehr komplizierte und wunderschoene verzierungen. sie bekamen in diesem fall jedoch nur einen lohn von 4 rupees pro set (insgesamt 6 ringe), leider etwas wenig… sie luden mich sofort zu einem tee ein, waren sie doch ganz stolz auf auf ihre beiden herdplatten, die sie sich mit dem ersten kredit kauften. die zweite familie gab das geld fuer den kranken grossvater aus… interessant war, dass ausschliesslich die frauen der familien dieser arbeit nachgingen. die letzte familie war, so wurde mir gesagt, die gebildetste und sie besass einen armreifen-shop an der hauptstrasse (in andhi, 50 km von jaipur entfernt, irgendwo im niemansland) und sie waren auch diejenigen, die die armreifen den anderen mitgliedern der familie zur verfuegung stellten, denn nur sie hatten das noetige wertzeug, um diese herzustellen.
und wieder waren die umstaende und die gegebenheiten unvorstellbar arm, runtergekommen, schmutzig. umso auffaelliger ist ihre herzlichkeit und gastfreundschaft. doch diesmal waren es moslemische familien weshalb man vorsichter sein musste, besonders bei den umgang mit den frauen.
20.8.04 23:16







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